Wreckfest – Die Ode an die Beule

Screenshot_2018-08-01 Wreckfest Console and PC Release Dates Announced

Unkaputtbare Lizenzkarossen? Nope. Open World? Nope. Story? Nope. Respektvoller Umgang auf der Rennsprecke? Auf keinen Fall! Wreckfest ist das dreckigste Rennspiel der letzten Jahre. Wir sagen euch warum genau das wirklich gut ist.

Bugbear, die Erfinder der Flatout-Serie, melden sich nach vielen Jahren zurück. Doch auch 14 Jahre nach dem ersten Flatout liefern die Finnen ein Rennspiel aus und das hat uns so viel Spaß gemacht wie kaum ein Rennspiel der letzten Jahre.

Gameplay

Wreckfest merkt man eindeutig an, dass seine Erschaffer, mit der Flatout-Serie, ein ganz ähnliches Spiel schon einmal auf den Markt begracht haben. Bugbear hatte vor mehr als 10 Jahren die ersten beiden Serienteile entwickelt, bevor andere Studios die katastrophalen Spiele Flatout 3 und Flatout  4 verbrochen haben. Wichtig ist zu erwähnen, dass sich die Entwickler bei Wreckfest klar am ersten Flatout Teil orientiert haben und nicht am nochmals besseren Nachfolger, Flatout 2. So rasen wir mit unlizensierten Schrottkisten über provinzielle Rennstrecken, durch Wälder und über Schotterpisten um dabei nicht nur die Kontrahenten, sondern auch die Umwelt in ihre Einzelteile zu zerlegen. Nett und sauber bleibt in Wreckfest nichts. Das Abdrängen von Gegnern ist nicht verboten, sondern erwünscht und meistens fliegen schon in der ersten Kurve einige Spoiler und Kotflügel durch die Gegend.
Das Fahrverhalten überzeugt dabei auf ganzer Linie. Die Fahrzeuge reagieren realistisch auf verschiedene Untergründe und brechen aus, wenn man zu viel Gas in der Kurve gibt. Bugbear hat das Fahrverhalten dabei geanz klar simulationslastig ausgelegt. Mit ein wenig Übung und dem geschickten Einsatz von Handbremse und Gaspedal lassen sich dafür auch wundervolle Drifts auf die Strecken brennen. Auf einigen Strecken und in besonders engen Kurven ist ein gutes Timing beim Bremsen und viel Gefühl am Gaspedal gefordert. Wir raten dazu einen Controller oder ein Lenkrad zu benutzen. Das Spielen mit der Tastatur funktioniert grundsätzlich auch, doch die Autos sind merklich schlechter zu kontrollieren.

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Ein weiteres Highlight ist die KI. Anders als in vielen anderen Rennspielen, leidet die KI nicht unter dem Gummibandeffekt. Die Gegner holen also nicht wie von Geisterhand auf, wenn man mal weit in Führung liegt, aber sie bremsen auch nicht ab, wenn sie weit in Führung liegen. Gleichzeitig fahren die Kontrahenten schön aggressiv, drängeln und greifen uns mit Remplern an,  machen aber auch Fehler. Dadurch ergeben sich immer wieder wirklich wundervoll chaotische Rennsituationen. Das Rammen von Gegner gibt zudem Erfahrungspunkte, die mit der Zeit neue Tuningteile freischalten. Falls euch ein KI-Gegner mal etwas härter rammt, wird er zum Rivalen, der euch immer wieder angreift, wenn er die Möglichkeit hat. Rammen wir den Rivalen oder schieben ihn von der Strekce gibt es einen ordentlichen Batzen an Erfahrungspunkten.
Das Tuning ist Bugbear eher mittelmäßig gut gelungen. Zwar gibt es viel zu Upgraden, aber in früheren Teilen brachten neue Bauteile immer Vor- und Nachteile, sodass das Einbauen eines neuen Teils gut überlegt sein wollte. Dieses Abwägen findet man in Wreckfest nur bei der Ausrüstung von Panzerung. Je schwerer die Panzerung, desto langsamer beschleunigt das Auto.

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Bei den Spielmodi gibt es leider nur wenig Auswahl. Mehr als Rundrennen und Demolition Derbys stehen nicht auf dem Programm. Die Modi für sich sind wirklich toll. Zwar unterscheiden sich die 17 unterschiedlichen Strecken optisch nicht besonders, dennoch bieten sie eine gute Abwechslung zwischen Hochgeschwingigkeitskursen, Ovalrennen und klaustrophobisch engen Rennstrecken. Die Demolition Derbys spielen sich deutlich taktischer als man das erst erwarten mag. Wer hier in jeden Crash reinfährt, der zu finden ist, der wird schneller zu Altmetall verarbeitet als er gucken kann. Zudem wird die Kampagne hin und wieder von Rennen mit speziellen Fahrzeugen aufgelockert. So rasen wir mir einem Rasenmäher über einen Rundkurs oder halten ein Demolition Derby mit US-Schulbussen ab. Was leider komplett fehlt sind die tollen Minispiele der Flatout-Reihe, bei denen wir unseren Fahrer aus dem Fahrersitz schießen um Freistoßtore, Hochsprung und ähnliche Aufgaben zu erfüllen. Diese Minispiele waren besonders im Multiplayer sehr unterhaltsam. Der Multiplayer ist dann auch reichlich unspektakulär geworden. Da es kein Matchmaking gibt, haben wir immer wieder Rennen erlebt wo einige Fahrer extrem gut waren und andere sich mit dem simulationslastigeren Fahrverhalten noch ein wenig schwer taten. Überrundungen waren so an der Tagesordnung, was deutlich am Spielspaß kratzt. Wer aber im Singleplayer alle Rennen bestreiten will, der ist gut 30 Stunden damit beschäftigt sich durch die Karriere zu fahren. Das ist ein guter Wert, wie wir finden.

Wirklich mies ist den Entwicklern die Präsentation geraten. Die Menüs sind langweilig und nach dem Sieg gibt es keine Siegerehrung, keine Champagnerdusche, nichts. Auch das Tuning ist reichlich schlicht präsentiert. Von außen sieht man dem Auto nicht an ob es die Möhre ist, die wir am Anfang gekauft haben oder durch unser Tuning mittlerweile ein Supersportler ist. Hierzu trägt auch das optische Tuning bei. Das ist für das Gameplay nämlich absolut unerheblich. Weder die Panzerung noch das Fahrverhalten werden beeinflusst, egal ob wir und eine riesige Metallplatte unter die Stoßstage hängen oder einen fetten Spoiler auf die Heckklappe setzen. Der einzige Lichtblick bleiben die Wiederholungen, in denen wir unsere Crashorgien mit einer freien Kamera neu erleben können.

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Technik

Technisch hinterlässt Wreckfest einen guten Eindruck. Die Grafik ist durchweg hübsch, die Texturen ordentlich scharf und die Bleuchtung weiß auch immer wieder zu beindrucken. Das Schadensmodell ist dabei von aller erster Güte. Jeder Kontakt hinterlässt nachvollziehbare Beulen. Nichts ist vorberechnet und bei jedem Crash fliegen Einzelteile durch die Gegend, dass es eine Freude ist. Wer auf rabiate Rennspiele steht, der wird von Wreckfest begeistert sein. All die Zerstörung wird zudem von einer tollen Physikengine gestützt. Viele der Streckenumgebungen sind zerstörbar. So fliegen dann während des Rennens nicht nur Autos und ihre Einzelteile umher, sondern auch unzählige Zaunlatten, Teile von Werbebannern und hunderte von Reifen, die mal fein säuberlich aufeinander gestapelt waren. Wer davon mal einen Eindruck bekommen will kann sich gerne unser Crash-Video angucken.

Der Sound ist ein zweischneidiges Schwert. Die Crashes klingen toll, den Motorengeräuschen fehlt es aber eindeutig an Wumms.
Ebenfalls gut gefallen hat uns die Performance. Wir haben keine Spielabbrüche gehabt und das Spiel lief zu jedem Zeitpunkt sehr flüssig, auch wenn gefühlt tausende Einzelteile durch die Luft flogen.
Während unserer Spielzeit sind wir allerdinge einmal durch die Map gefallen, sodass wir das Rennen neu starten mussten.

Trotz der kleineren Schwächen ist die Physikengine extrem eindrucksvoll. Hier ein kleines Beispiel aus der Demo, die Bugbear seinen Kickstarter-Backern zur Verfügung gestellt hat.

Fazit

Insgesamt ist Bugbear mit Wreckfest aber ein hervorragendes Rennspiel gelungen. Wer, wie ich, auf Beulen und fliegende Autoteile steht und auf eine tolle Fahrphysik steht, der sollte hier zugreifen.  Noch nie habe ich so ein Chaos auf der Rennstrecke erlebt und auch wenn der Multiplayer und die Präsentation eher schwach sind, wird mich die hübsche Zerstörungsorgie wohl immer wieder dazu verleiten nochmal das ein oder andere Rennen zu fahren.
Wreckfest bekommt von mir eine klare Kaufempfehlung und ist als ehemaliges Crowdfunding-Projekt, damals unter dem Namen „Next Car Game“ eine weitere erfolgreiche Widerbelebung eines alten Spielprinzipes.

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