„Der Journalismus wird unmöglich!“

Weder in China, noch in Russland gibt es eine freie Presse. Das wissen wir alle. Doch wer einmal in ein Land reisen will, dass mit ähnlichen Methoden agiert muss nicht soweit in den Osten. Großbritannien scheint neuerdings ganz ähnliche Methoden zu haben

Der Guardian ist eine der bekanntesten und renomiertesten Tempel des Journalismus weltweit. Seit Jahrzehnten ist die Redaktion auch investigativ tätig. Weltweiten Bekanntheitsstatus erreichte die Zeitung spätestens 2010 mit der Bearbeitung der WikiLeaks-Dokumente, die Bradley Manning herausgab. Die britische Zeitung arbeitete eng mit der New York Times und dem deutschen Spiegel zusammen, um die Unmengen an Daten auszuwerten. Doch schon damals traute Chefredakteur Alan Rusbridger der britischen Regierung nicht und lagerte einen Großteil der Arbeit an den WikiLeaks-Dokumenten nach New York aus. Rusbridger sollte Recht behalten, wie sich diese Woche gezeigt hat. Der Chefredakteur des Guardian meldete sich höchstpersönlich zu Wort, um die Öffentlichkeit zu Informieren, was dem Blatt in der letzten Woche widerfahren war. Bei der Ausreise vom Londoner Flughafen Heathrow nach Rio de Janeiro war der Mitarbeiter David Miranda von den Behörden aus dem Transitbereich herausgeholt worden. Miranda war mit Glenn Greenwald unterwegs, seinem Lebensgefährten, der neben den WikiLeaks Dokumenten auch schon über die NSA/PRISM-Affäre geschrieben hatte. Unter Anschuldigungen nach einem Anti-Terror Gesetz des Landes wurde Miranda für die nächsten neun Stunden festgehalten und ausgefragt. Laptop, Kamera und Handy wurden einbehalten. Terrorverdacht eben.

Doch dieser Affront gegen die Journalisten des Guardian war nicht der Einzige in dieser Woche.

Doch dieser Affront gegen die Journalisten des Guardian war nicht der Einzige in dieser Woche.
Wie Alan Rubridger weiter schreibt, wurde der Guardian über die letzten Wochen immer wieder von Regierungsmitarbeitern angerufen, die verlangten, dass das Blatt nicht mehr über PRISM und Tempora berichten sollte. Die Staatsstellen verlangten eine Zerstörung des Materials unter allen Umständen.
Der Guardian folgte diesen Forderungen nicht und wurde nun unter Aufsicht von zwei GCHQ-Beamten, die GCHQ ist das britische Äquivalent zur NSA, gezwungen Festplatten und Computer zu zerstören.

Überrascht, aber nicht geschlagen

Rusbridger zeigt sich trotz der Aktion der britischen Regierung gefasst. Er habe schon seit den WikiLeaks-Dokumenten im Jahr 2010 jegliche Daten immer in mehreren Ländern hinterlegt und die Arbeit an Edward Snowdens Material würde in Zukunft nur noch in New York statt finden. Gerade Deshalb ist Rusbridger doch ein wenig überrascht. Die Zerstörung des Arbeitsmaterials und das Einziehen von David Mirandas Laptop, Handy und Kamera wird keine Auswirkungen auf die Arbeit des Guardian haben. Es wurde schlicht ein unnötiges Exempel statuiert, findet der Chefredakteur.
Es zeuge davon, wie wenig die entscheidenden Stellen eigentlich über das digitale Zeitalter verstanden hätten. Dennoch sieht Rusbridger die Arbeit von Journalisten mehr als gefährdet. Zeitungen würden wieder verdammt mit „Stift und Papier“ zu arbeiten und wirkliche Informanten könnten kaum geschützt werden. Ein solches Szenario würde den Journalismus unmöglich machen.
„Immerhin wüssten Journalisten aber jetzt, dass sie sich vom Transitbereich im Flughafen Heathrow fernhalten sollten“, endet der Chefredakteur des Guardians scherzend.

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