„Die meisten Casual Games in 2015 sind scheiße“

South Park

Auf der Casual Connect Europe in Amsterdam hat der langjährige Casual Games Entwickler Thorsten Rauser seinem Ärger Luft gemacht. In einem Vortrag sagte er, was er von der Casual Games Branche hält und stößt damit mitten in eine offene Wunde.

Der Casusal Games Markt hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Was anfangs noch auf der Wii „Wii-Sports“ hieß wurde binnen weniger Jahre zu einer Candy Crush Saga auf dem Handy. Free-to-Play Spiele hat mittlerweile jeder auf seinem Smartphone. In den meisten ist es möglich mit echtem Geld Inhalte für das Spiel zu kaufen. Das ist schlecht für die Industrie, den Markt, die Entwickler und die Kunden. So sieht es zumindest Thorsten Rauser:

„Unsere Industrie ist ein Witz. Wir sind am Arsch. Unser Gewerbe hat sich zum Schlechten entwickelt. Die Gesellschaft sieht, dass wir uns zum Schlechten entwickelt haben. Wir versuchen so viel Geld wie nur möglich aus dem Spieler zu ziehen. Das ist der Job eines Spieleentwicklers geworden. So sehen uns die Leute.“

Damit spricht er ein Problem an, welches nicht nur in der Gamingbranche ein Thema ist: Ist Free-to-Play wirklich free? Nun erstmal kommt es darauf an, wie ein Spieler das besagte Spiel spielt. Direkt gezwungen für Spieleinhalte Geld auszugeben wird er nämlich nicht. Oft ist es aber so, dass das Spiel so aufgebaut ist, das der Reiz nach einem kleinen Bonus durch In-Game-Käufe sehr hoch ist. Da kann es schon mal sein, dass der Spieler schneller ein Level aufsteigen möchte oder so nicht so lange warten muss bis er das nächste Haus bauen kann.

Das Free-to-play Game Candy Crush Saga. Casual, einfach, schnell.

Das Free-to-play Game Candy Crush Saga. Casual, einfach, schnell.

Die Zahlen jedenfalls geben der Industrie recht. Laut Statista.de sind die Umsätze bei In-App-Käufen von 2013 zu 2014 um 500 Millionen Euro auf 1,6 Milliarden Euro gestiegen. 1,6 Milliarden Euro, nur für In-Game-Käufe! Das muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen. Dass da jeder was vom Kuchen abhaben will ist nur logisch. Leider liegt hier auch eines der größten Probleme an der ganzen Sache. Im letzten Jahr ist es immer wieder vorgekommen, dass Entwickler von normalen Computerspielprojekten abgezogen wurden um an Free-to-Play Titeln zu arbeiten. Die Gefahr ist groß, dass darunter dann anderer Projekte leiden.

Dabei ist Free-to-Play erstmal nichts schlechtes. Der Grundgedanke Spieler kostenlos zusammen zu bringen und dafür zu sorgen, dass sie gratis eine gute Zeit zusammen haben ist cool. Auch das Vorhaben, das Spiel mit In-App-Käufen zu finanzieren ist nicht verwerflich, irgendwo muss das Geld ja herkommen. Leider wird diese Idee durch zwei Maschen extrem geschädigt: Erstens gibt es Spiele, die durch ihre Art fast schon dazu nötigen einen In-Game-Kauf zu tätigen weil die Games nach einem leichten Anstieg das Weiterkommen extrem schwer machen. Zweitens gibt es Spiele die qualitativ auch noch unter aller Würde sind, was es ziemlich unnötig gemacht hat, das Entwickler von großen Projekten abgezogen wurden. Das trifft natürlich nicht auf alle Vertreter des Free-to-play Genres zu, aber ihr Anteil ist in den letzten Jahren gewachsen.

In-App-Käufe in Dungeon Keeper

In-App-Käufe in Dungeon Keeper

Rauser bringt das eigentlich mit einem Satz auf den Punkt:

„Die meisten Casual Games von 2015 sind Mist.“

Und wenn es einer weiß, dann er. Über 20 Jahre Arbeitet er jetzt schon als Entwickler und hat an über 50 Casualtiteln mitgearbeitet. Dass das Thema mittlerweile nicht nur in Gamerkreisen besprochen wird konnte man auch gut letztes Jahr in der Serie South Park erkennen. In der Folge Freemium geht es nämlich um nichts anderes: Schlechte Free-to-play Games und In-App-Käufe. Die Serie spricht dabei noch ein ganz anderes Problem an. Genau wie klassische Titel wie Roller Coaster Tycoon (RTC) sorgen diese Spiele mit gewissen Mitteln dafür ein enormes Suchtpotential zu entwicklen. In kombination mit kleinen umnscheinbaren Beträgen für extra Items im Spiel kann das auch irgendwann ganz schön teuer werden.

South Park

Die South Park Folge „Freemium“ macht sich über Free-to-Play lustig. Klickt aufs Bild und ihr kommt zur Folge.

 

Auch in unserem TTNcast haben wir uns schon ausführlich über das Thema unterhalten. Es bleibt zu hoffen, dass der Trend sich bald ändert, das Casualspiele wieder einen anderen Ruf und eine andere Qualität bekommen denn für uns Gamer sind sie wichtig. Sie sorgen nicht nur für viel Spaß auf der ein oder anderen Party, sie öffnen auch anderen Menschen das Tor zu Videospielen, die ohne Casualtitel vielleicht nicht angefangen hätten zu zocken.

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