Just scratching the Surface – Eine gute Idee, doch ich will mehr. (Video!)

Microsoft ist seit Jahren ein Konzern, der sich über seine Softwareprodukte definiert. 
Windows ist immer noch unumstrittene Nummer 1 der PC-Betriebssysteme und jede neue Version ist ein Großereignis in der Technikwelt. Microsoft Office ist gleichzeitig der Standard für Produktivitätssoftware und mit DirectX definieren die Redmonder seit Jahrzehnten den graphischen Fortschritt in der Spieleindustrie.
Doch Microsoft verändert sich und mit ihrem nun ersten Tablet wagt sich der Riese auf Neuland.
Kann das Surface RT überzeugen, oder versteht Microsoft die schöne neue Mobilwelt nicht?
Wir haben das Surface RT in den Händen gehabt und testen können. Was wir davon gehalten haben erfahrt ihr hier.

Das Surface RT

Microsoft verändert sich.

Microsoft verändert sich. Mit der Xbox und besonders der Xbox 360 hat das Unternehmen angefangen Hardware herzustellen.
Jahrzehnte lang war ausschließlich Software das Steckenpferd der Jungs und Mädels in Redmont im US-Bundesstaat Washington.
Vor etwa zwei Jahren kamen dann die Gerüchte auf, dass der Software-Gigant an einem eigenen Tablet arbeitet. Die Gerüchte waren wage, aber sie hielten sich.
Am 19. Juni 2012 war es dann so weit. In einem eigens veranstalteten Event zeigte Microsoft seine Antwort auf Apples iPad.
Surface sollte das Rechenbrett heißen und in zwei Versionen erscheinen.
Das Surface RT sollte direkt gegen das iPad positioniert werden und zum Start von Windows 8 auf den Markt kommen.
Mit einem ARM-Prozessor und für 479€ spielen beide zumindest auf dem Papier in der gleichen Liga.
Das Surface Pro hingegen ist ein komplettes Notebook im Tablet-Format und muss sich eher gegen Laptops durchsetzten. So in etwa waren die ersten Einschätzungen zum Thema Surface.

Design und Verarbeitung

Das Design des Surface RT ist schlicht, aber schön. Das Gehäuse besteht aus einer Magnesiumlegierung, die Microsoft Vapor mg nennt.
Das grau-schwarze Metall wirkt extrem robust und solide.
Auf der Vorderseite ist ein 10,6 Zoll Display verbaut, dass in einen schwarzen Rahmen eingefasst ist. Die komplette Front wird von dem robusten Gorilla Glass 2 geschützt.

Das Klacken, mit dem die Stütze in ihre festgelegte Position einrastet,
erweckt das Vertrauen, dass dieser Mechanismus die nächsten Jahre locker übersteht.

Eine sehr gelungene Besonderheit am Surface RT ist der Standfuß, den man an der Rückseite des Tablets ausklappen kann. Dieser ist zwar nicht frei verstellbar, aber ich fand den vorgegeben Winkel als optimal für das Arbeiten an einem Tisch.
Der Ausklapp-Mechanismus überzeugt mit einer bemerkenswerten Stabilität. Das Klacken, mit dem die Stütze in ihre festgelegte Position einrastet, erweckt das Vertrauen, dass dieser Mechanismus die nächsten Jahre locker übersteht.
Auch die restliche Verarbeitung ist absolute Spitzenklasse. Die Spaltmaße sind extrem gering und durch die Unibody-Konstruktion wirkt das Surface RT fast unverwüstlich.
Microsoft hat hier wirklich eine fantastische Arbeit geleistet.
Zugegeben, das Gehäuse ist mit über 9 mm Dicke nicht gerade schlank, doch es passt insgesamt zum robusten Eindruck den das Tablet hinterlässt.

Die Spaltmaße sind extrem gering und durch die Unibody-Konstruktion
wirkt das Surface RT fast unverwüstlich.

Farblich gibt es allerdings keine Auswahl. Ein grau-schwarz, dass der Farbe des schwarzen iPhone 5 und des schwarzen iPad mini ähnelt, ist die einzige Wahl, die der Kunde hat.
Eines muss man dem Surface aber in jedem Fall zugestenen. Man merkt sofort, dass man ein Premium-Produkt in den Händen hält.

Quadcore und 2GB RAM hören sich besser an als sie sind.

Das Surface RT beherbergt ein 10,6 Zoll Display mit einer 1366×768 Auflösung.

Hardware

Als Prozessor ist ein Nvidia Tegra 3 verbaut.
Die Quadcore-CPU war einer der meistverbauten Prozessoren des vergangenen Jahres. Googles Nexus 7 und HTCs OneX sind da nur die prominentesten der Tegra 3 Nutzer.
Flankiert wird der Chip von satten 2GB Arbeitsspeicher. Zusammen befeuern sie das 10,6 Zoll Display welches eine Auflösung von 1366×768 Pixeln aufweist und damit eine Displayschärfe von 148 ppi.

Bei Auflösung und Schärfe muss Microsoft also ordentlich federn lassen. Die Konkurrenz schafft es locker über 200 ppi.
Die Qualität des Panels ist aber angenehm hochwertig. Farben sind lebendig und wirken echt. Die Kontraste sind anständig und auch die Helligkeit überzeugt.
Wirklich beeindruckend ist aber die Blickwinkelstabilität des Displays. Selbst aus extremsten Winkeln bleibt alles sehr gut erkennbar.

GPS, UMTS oder gar LTE sind nicht im Surface verfügbar.
Hier verpasst Microsoft eine echte Großchance.

Der Akku hat einen ebenfalls sehr positiven Eindruck hinterlassen. 7-8 Stunden surfen sind mit einem vollen Akku machbar.
Kameratechnisch darf man vom Surface RT keine Wunder erwarten. 2 Kameras mit einer 720pAuflösung sind zwar ausreichend für ein Skype-Telefonat, aber zum Bilder schießen genügen sie nicht.
Dies ist keine Macke in meinen Augen. Fotos schießt man so und so nicht mit einem Tablet; zumindest hoffe ich das.
An Funkverbindungen steht dem Surface allerdings nur Bluetooth 4.0 und WLAN zur Verfügung.
GPS, UMTS oder gar LTE sind nicht im Surface verfügbar.
Hier verpasst Microsoft eine echte Großchance das Surface RT als mobile Schreibmaschine aufzustellen.
Zusammen mit dem für 120€ erhältlichen Touchcover, oder dem 130€ teurem Typecover wird das Surface RT Tablet fast zu einem Laptop.

Wirklich nützlich ist der USB-Port, den das Surface zur Verfügung stellt.

Die Cover docken über Magneten an der Unterseite an das Gehäuse an und dienen nicht nur als Displayschutz, sondern auch als Tastatur mit einem Laptop-typischen Trackpad.
Wir hatten das Touchpad zum Test da und es hat uns grundsätzlich gut gefallen.
Wir sind allerdings der Überzeugung, dass das Typecover mit seinen haptischen Tasten und niedrigem Aufpreis über das Touchcover gerade für Schnellschreiben die bessere Option ist.
Die Lautsprecher haben uns positiv überrascht. Wunder sollte man zwar nicht erwarten, aber besser als das iPad tönt das Surface allemal.
Wirklich nützlich ist der USB-Port, den das Surface zur Verfügung stellt. Zwar bietet dieser nur USB 2.0, wurde aber nicht auf einen der kleineren USB-Standards beschränkt. Somit ist der Weg frei für eine Nutzung von USB-Sticks, Mäusen, etc.
Auch schön ist der Videoausgang, mit dem man das Surface RT zum Beispiel an einen Beamer anschließen kann. Leider ist hierzu ein Adapter notwendig. Uns hätte ein voller HDMI-Anschluss besser gefallen, aber das ist meckern auf sehr hohem Niveau.

Microsofts Office läuft in einer speziellen "Home&Student" -Version.

Microsofts Office läuft in einer speziellen „Home&Student“ -Version.

Nur Apps aus Microsofts App-Store, dem Windows Marketplace, läuft auf dem Surface RT.
Die absolute Achillesverse des Tablets.

Software/Ökosystem

Als Betriebssystem nutzt Microsoft beim Surface RT eine spezielle Version von Windows 8 namens Windows 8 RT.

Die RT-Version bietet eigentlich alles, was das normale Windows 8 auch auf dem PC bietet. Eigentlich.
Windows 8 RT lässt keine herkömmlichen Windows-Installationsdateien zu.
Jede Software, die also auch auf Windows 7 läuft ist inkompatibel mit der der RT-Version.
Nur Apps aus Microsofts App-Store, dem Windows Marketplace, läuft auf dem Surface RT.
Die absolute Achillesverse des Tablets.
Der Marketplace ist allerdings eher erbärmlich gefüllt und es ist eher fraglich ob Entwickler jemals diese spezielle Windows-Version unterstützen.
Zudem ist uns aufgefallen, dass zum Beispiel das beliebte Spiel „Cut the Rope“ überraschend stark ruckelte und uns auch eine unangemessen lange Wartezeit beim Starten der App aufbrummte. Solche Performance-Einbrüche sind unerklärlich, da diese App auf einem Nexus 7 mit gleichem Prozessor absolut flüssig läuft.
Diese beiden Tatsachen limitieren das Surface RT soweit, dass es nicht wirklich zu empfehlen ist.

Die Kacheloberfläche ist meines Erachtens das beste Konzept für einen Homescreen,
das ich bis jetzt in der Tabletwelt gesehen habe.

Meiner Meinung nach ist das wirklich schade. Das Surface RT wird nämlich mit einer Version vorn Microsoft Office ausgeliefert. Diese Programme lassen sich allerdings nur über den Desktop aufrufen. Eine verwirrende Aktion, an die sich jeder Windows 8-Nutzer erst einmal gewöhnen muss.
Der Desktop ist in der neusten Version zu einer App degradiert worden. Stattdessen dominiert das hübsche und nützliche Kachel-design, das man schon aus Windows Phone 7 und Windows Phone 8 kennt.
Ich persönlich bin großer Fan dieses Designs. Die so genannten Live-Tiles aktualisieren sich automatisch und zeigen so immer die neusten Statusmeldungen aus verschiedenen Netzwerken an, haben das aktuelle Wetter und die neusten Nachrichten parat. Die Kacheloberfläche ist meines Erachtens das beste Konzept für einen Homescreen, das ich bis jetzt in der Tabletwelt gesehen habe.
Um so ärgerlicher ist die Verschachtelung mit dem Desktop.

Für wirklich produktives Arbeiten reichet die Home&Student-Version aber nicht aus.
Allein das Fehlen von Makros ist im professionellen Bereich eigentlich unverzeihlich.

Startet man diesen, wirft einen Windows 8 RT auf einen normalen Desktop, wie aus Windows 7. Das Problem hierbei ist, dass die Umgebung, anders als das Kacheldesign, nicht auf die Eingabe mit Fingern optimiert wurde.
In solchen Situationen helfen nur Maus und Tastatur, die man glücklicher Weise über Bluetooth oder die USB-Schnittstelle anschließen kann oder die besagten Microsoft Cover, die mit bis zu 130€ zu Buche schlagen.
Bis auf die Office-Programme und einen anders aussehenden Internetexplorer ist der Desktop aber völlig nutzlos unter Windows RT.
Die Office-Versionen machen an sich aber sehr viel Spaß. Mit dem Touchcover funktionierte sowohl das Tippen als auch die Eingabe mit der Maus problemlos.
Für wirklich produktives Arbeiten reicht die Home&Student-Version aber nicht aus. Allein das Fehlen von Makros ist im professionellen Bereich eigentlich unverzeihlich.

Hardware toll, Windows RT eher nicht.

Microsofts großes Problem ist die Software von Windows RT.

Fazit

Aus dem Test bin ich mit gemischten Gefühlen gegangen. Zum einen begeistert die Hardware des Surface RT mit tollen Materialien und einer tadellosen Verarbeitung.

Microsofts großes Problem ist die Software von Windows RT.
Einige sehr schlechte Entscheidungen in der Produktpolitik schränken so das Surface RT zu stark ein, um es problemlos zu empfehlen.
An vielen Ecken und Enden möchte man am liebsten in das Touchcover beißen, weil man merkt, wie toll die Idee eines Windows-Rechners im Tabletformat ist.

Das Surface RT ist eher ein „Proof-of-Concept“ und das Konzept funktioniert bestechend gut.

Für 479€ ist die Hardware absolut angemessen, keine Frage. Leider entsteht der größte Nutzen aber durch die Apps, die man auf Tablets ausführen kann. Hier fällt das Surface RT gnadenlos durch. Gerade ein Software-Riese wie Microsoft sollte das verstehen.
Das Surface RT ist eher ein „Proof-of-Concept“ und das Konzept funktioniert bestechend gut. Leider musste ich mich ständig danach sehnen ein wenig mehr Power zur Verfügung zu haben und natürlich mit Windows 8 Pro samt all den nützlichen Programmen wirklich produktiv zu werden.
Kurzum ich wollte die ganze Zeit das Surface Pro.
Dieses kommt in den nächsten Wochen auch in Deutschland auf den Markt. Sollte wir an ein Surface Pro gelangen, werden wir auch das natürlich testen.
Vor allem der Preis von 899€, die Kühlung und die Akkulaufzeit könnten dem Microsoft-Tablet aber noch einen Strich durch die Rechnung machen.

Besonderer Dank geht an Basti, der es uns erst ermöglicht hat das Gerät in die Hände zu bekommen!
Schaut doch mal auf seiner Soundcloud vorbei!
Der Link ist HIER

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