Merkels Neuland (edit)

Die Bundeskanzlerin Merkel. Foto:  Laurence Chaperon

Die Bundeskanzlerin Merkel.
Foto: Laurence Chaperon

„Ich bin ein Berliner.“ 
Der Satz des ehemaligen Präsidenten der USA , John F. Kennedy, ging vor 50 Jahren in die Geschichte ein. Diese Woche kam nun wieder ein US-Präsident nach Berlin um am Brandenburger Tor zu sprechen. Die Welt wartete auf eine ähnlich historische Aussage des begnadeten Rhetorikers Obama. Diese blieb aus. Nicht Obama sorgte für Furore, sondern unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel.


Twitter explodierte nach der Pressekonferenz von Angela Merkel und Barack Obama.
„Neuland“ war das Wort der Stunde und die Netzgemeinde regte sich wieder einmal heftig auf.
Unsere Kanzlerin hatte dieses Wort im Bezug zum Internet fallen gelassen. Für sie persönlich mag das stimmen, doch für den Großteil der Bevölkerung zeigt diese Äußerung nur symptomatisch das Problem der Inkompetenz in der ersten Reihe unserer Politiker.

So gut wie alle elektronischen Geräte können sich mittlerweile ins Internet einwählen.

Das Internet ist groß. Das Internet ist schnell. Das Internet ist weltweit. Fragt man mich, dann wird das Internet der Ursprung des größten gesellschaftlichen Wandels sein, den die Menschheit je erlebt hat. 
So gut wie alle elektronischen Geräte können sich mittlerweile ins Internet einwählen. Das internetfähige Smartphone ist für viele zum täglichen, unverzichtbaren Begleiter geworden.
Gleichzeitig fordert dieses Netz mit seiner nicht-physischen Natur ständig unsere Gesetze heraus.
Datenschutz, Urheberrecht, Meinungsfreiheit, die Liste ist fast unendlich erweiterbar.

Das Problem hierbei ist, dass ein bedeutender Anteil der Bevölkerung die Funtionsweisen
und die Tragweite des weltweiten Netzwerks nicht versteht, oder verstehen will.

Gleichzeitig breitet sich das gesellschaftliche Phänomen des Digital Divide aus. Diese Phänomen bezeichnet die unterschiedliche Fähigkeiten in der Bevölkerung mit den, nun schon nicht mehr so neuen, Medien umzugehen.
Das Problem hierbei ist, dass ein bedeutender Anteil der Bevölkerung die Funtionsweisen und die Tragweite des weltweiten Netzwerks nicht verstehen, oder verstehen wollen.
Da sich diese aber grundlegend von den Abläufen in unserer analogen Welt unterscheiden, lassen sich auch Regeln nicht einfach übertragen.

Es wissen nur wenige, dass die NSA die Datenmenge,
die die DDR in 40 Jahren gesammelt hat , auch erhebt.

Jede Sekunde.

Daten im Netz werden weltweit mit nahezu Lichtgeschwindigkeit übertragen. Dadurch ergeben sich Möglichkeiten, die in unserer analogen Welt unvorstellbar sind. Ein gutes Beispiel ist das Datensammel-Programm Prism der NSA.
Für uns Deutsche, die zum Teil unter der Stasi in der DDR gelitten haben, ist eine solche Überwachung nur schwer zu ertragen. Es wissen nur wenige, dass die NSA die Datenmenge, die die DDR in 40 Jahren gesammelt hat , auch erhebt.
Jede Sekunde.

Unsere Politik zeigt sich dennoch fast schon ignorant gegenüber diesem Thema. Dies zeigt sich nicht nur an Merkels „Neuland“ Aussage. Schon Frau von der Leyen erntete Hohn und Spott als sie zur Bekämpfung der Kinderpornographie Netzsperren vorschlug. Ein Vorhaben, welches in einem derartigen Netzwerk in keinster Weise funktionieren könnte.

Im nächsten Jahr feiert das World Wide Web seinen 25. Geburtstag.
Das ist ein viertel Jahrhundert!

Das Drama an der Sache ist aber, dass das Internet kein neues Phänomen ist. Im nächsten Jahr feiert das World Wide Web seinen 25. Geburtstag. Das ist ein viertel Jahrhundert! Damals existierte die DDR noch.
Doch scheint das Unverständnis zu diesem Thema so groß wie selten. Der SPD-Kanzlerdandidat gab selbst zu, dass er vom Internet nichts verstehe. Dennoch machen solche Politiker Gesetze, die die Zukunft meiner und der folgenden Generationen grundlegend bestimmen werden.

Es ist beschämend, wie sehr die Politik in diesem Feld an der Realität vorbei lebt.

Es ist beschämend, wie sehr die Politik in diesem Feld an der Realität vorbei lebt.
Auch die älteren Generationen müssen endlich die Tragweite der Entscheidungen begreifen, die wir jetzt in diesem Feld treffen müssen. Das Internet ist nur eine Plattform. Es erlaubt mittlerweile die Erweiterung unserer Realität, indem es uns die Möglichkeit gibt die Wirklichkeit durch digitale Inhalte anzureichern. Mir graut es schon vor den Diskussionen um Datenbrillen, die ganz normalen Bürgern plötzlich Kameras auf die Nase setzt.

Eine Zukunft ohne Internet ist schlicht unvorstellbar.
Wir dürfen aber nie vergessen, dass wir jetzt die Weichen für diese Zukunft stellen.

Doch nicht alles ist verloren im schönen Abendland. Unsere Politiker müssen nur endlich eingestehen, dass sie wirklich keine Ahnung haben und die Kompetenzen an Menschen abgeben, die sich mit der Materie auskennen.
Wichtig hierbei ist allerdings sich nicht von Unternehmen leiten zu lassen. Rein rechtlich ist Netz wirklich Neuland. Jetzt ist es an der Zeit Menschen wie Sascha Lobo und Markus Beckedahl als Berater einzuspannen. Es bedarf dieser Netzaktivisten um das Internet zu beschützen.
Eine Zukunft ohne Internet ist schlicht unvorstellbar. Wir dürfen aber nie vergessen, dass wir jetzt die Weichen für diese Zukunft stellen.

Einzig Herr Rösler scheint ein wenig von der Materie zu verstehen. Jüngst kündgte er an, die Netzneutralität gesetzlich fest zu schreiben. Ob das Gesetz kommt und wie weit die Lobbys noch Einfluss auf das Vorhaben ausüben bleib allerdings abzuwarten.

Anders als zunächst berichtet distanziert sich Bundesminister Rösler mittlerwerweile von den eigenen Plänen zur gesetzlichen Netzneutralität.
Eine solche Kehrtwende zu diesem Thema zeigt mal wieder den Einfluss der Unternehmen auf die Politik.
Bleibt also nur zu hoffen, dass die kürzlich erfolgreich abgeschlossene Petition eines 19-Jährigen Schülers mehr erfolg hat. Sollte dies nicht der Fall sein sollten sich Netzaktivisten endlich mal auf die Straße trauen.
Demonstration geht nämlich am Besten offline!

Es besteht also Hoffnung!

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4 Gedanken zu „Merkels Neuland (edit)

  1. Den Schluss mit Verweis auf Fipsi Rösler hättet ihr euch sparen können. Was er wirklich vorhat (kein Gesetz und nichts gegen Telekom!) und was Netzaktivisten davon halten, musste ich googlen.

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  2. Pingback: Prism und Tempora – warum enge Freunde zu Stalkern werden. | thetechnologicals

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