Die Samsung Smart Gear – die erste Smartwatch des größten Handyherstellers ist ein absoluter Fehlschlag.

 

Samsungs Galaxy Gear Smartwatch. Quelle: Martin Hajek

Samsungs Galaxy Gear Smartwatch.
Quelle: Martin Hajek

Tragbare Elektronik ist das große Thema der Technikwelt in diesem Jahr. Google bringt noch in diesem Jahr die futuristisch wirkende Datenbrille Glass auf den Markt und Apple soll im Oktober die iWatch vorstellen. Neben Sony, die bereits die zweite Generation ihrer Smartwatch vorgestellt haben, drängt nun auch der größte Handyhersteller der Welt, Samsung, auf den Zukunftsmarkt vor. Auf der IFA in Berlin zeigten die Koreaner zum ersten Mal ihr Galaxy Gear genanntes Gerät für das Handgelenk und ernteten fast durchgehend Spott und Hohn. Wir sagen euch, warum auch wir nicht viel mehr für die Galaxy Gear übrig haben.

 

Ein Smartphone für das Handgelenk. Das ist es, was man sich eigentlich vorstellt, wenn man an eine Smartwatch denkt. Zugegeben, ganz so performant und vielfältig wie die Rechenwunder in unserer Hosentasche können die kleinen Geräte an unserem Arm in absehbarer Zukunft wohl nicht werden, aber auch die rasante Entwicklung der Smartphones hätte niemand für möglich gehalten. Nachdem das Jahr gefüllt war von Gerüchten um Apples iWatch und Sony bereits vor einem Jahr eine Smartwatch vorgestellt hatte, wollte nun auch Samsung im noch jungen und kleinen Markt mitmischen. Die Galaxy Gear ist überraschend groß. Die Pebble Smartwatch, die ein großer Kickstarter-Erfolg war, ist deutlich kleiner. Dafür zeigt das 1,63 Zoll große AMOLED-Display Farben an und die Auflösung von 320x 320 Bildpunkten führen zu einer anständigen Displayschärfe von 196ppi. Pixel lassen bei dieser Schärfe zwar ausmachen, störend ist das eher weniger. Das Gehäuse ist, anders als bei Samsung gewohnt nicht aus Plastik sondern aus Aluminium. Die Uhr wirkt schlicht, aber hochwertig. Mir gefällt das Design.

Samsungs Smartwatch "Galaxy Gear". Quelle: Samsung

Samsungs Smartwatch „Galaxy Gear“.
Quelle: Samsung

Eine Uhr, die Gefahr läuft mehrmals am Tag an den Strom zu müssen, ist nicht zu gebrauchen.

Die Gear ist jedoch kein Smartphone für das Handgelenk. Eine Verbindung per Bluetooth zu einem Samsung-Handy ist grundsätzlich immer erforderlich. Ist das aber der Fall lassen sich Benachrichtigungen, SMS oder Anrufe mit der Smartwatch beantworten. Für das Telefonieren hat sich Samsung allerdings eine eher Fragwürdige Methode einfallen lassen. Die Uhr hat einen integrierten Lautsprecher an Bord, der allerdings so leise ist, dass man sich die Gear ans Ohr halten muss um zu telefonieren. Ein weiteres Problem von Samsungs Smartwatch ist die Rechenkraft. Der 800 Mhz Prozessor kommt häufig einfach nicht nach, was zu merklichen Wartezeiten während der Bedienung führt. Zudem gibt Samsung die Akkulaufzeit der Galaxy Gear mit circa einem Tag an, doch bei der Präsentation der Smartwatch wollte die Gear bereits nach wenigen Stunden schon wieder neuen Saft haben.

Der Schließmechanismus samt dem viel zu leisen Lautsprecher. Quelle: Martin Hajek

Die 300€ gibt man besser für ein gutes Smartphone
oder 2 Pebble Smartwatches aus. 

Als besonderes Feature hat sich Samsung eine Kamera-Funktion ausgedacht. Die Linse ist im Armband verbaut und nimmt neben 1,9 Megapixel großen Bildern auch Videos im HD-Ready Format 720p auf. Weder wir noch andere Technikseiten können sich allerdings ein Szenario ausmalen, indem eine solche Funktion auch nur im entferntesten Sinn macht. Nicht nur ist die Qualität der Aufnahmen unterirdisch, allein die Geste jemandem sein Handgelenk ins Gesicht zu halten und auf gut Glück auf den Touchscreen zu drücken ist absurd. Zudem kann man während der Aufnahme nur schwerlich auf das Display gucken sobald man Aufnahmen auf Augenhöhe erstellen will.
Abgerundet wird das wahnsinnige Paket mit einem astronomischen Preis von knapp 300 . Dafür bekommt man mittlerweile gut und gerne ein komplettes Smartphone und die Pebble Smartwatch kostet gerade einmal die Hälfte. 

Das wohl sinnloseste Feature der Galaxy Gear. Eine unterirdische Kamera. Quelle: Martin Hajek

Der Akku, der Preis, die Performance …
Alles ist nicht marktreif und wirkt wie eine Farce. 

 

Samsung hat mit der Galaxy Gear zwar die Grundfunktionen eines Gerätes aufgezeigt, dass einmal eine Sinnvolle Erweiterung des Smartphones am Handgelenk werden könnte, doch anscheinend sind die Koreaner zur Zeit nicht fähig, ein wirklich marktreifes Produkt vorzustellen. Sonys Smartwatch bietet, bis auf die affige Kamerafunktion, praktisch das gleiche Paket an, erreicht aber ein viel flüssigeren Arbeitsablauf und eine Akkulaufzeit, die die Galaxy Gear locker in die Tasche steckt. Gleichzeitig ist der Preis von 300€ unverschämt hoch für ein Gerät, dass sich alleine schon auf Grund seiner Akkulaufzeit von weniger als einem Tag hochgradig disqualifiziert. Wir können keinen Grund entdecken Samsungs erste Smartwatch irgendjemanden als sinnvoll zu empfehlen. Ich gehe noch weiter und rate selbst dem hartgesottensten Samsung-Fan vom Kauf abzusehen. Eine Uhr, die am Mittag schlapp macht ist schlicht inakzeptabel und eine absolute Katastrophe.

Danke noch mal an Martin Hajek für die tollen Render-Bilder.
Mehr von ihm findet ihr unter martinhajek.com.

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2 Gedanken zu „Die Samsung Smart Gear – die erste Smartwatch des größten Handyherstellers ist ein absoluter Fehlschlag.

  1. Pingback: Der Blick in die Glaskugel – Unsere Vorschau auf 2014 (Samsung-Edition) | thetechnologicals

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