Railway Empire – Mehr Railroad Tycoon oder eher TrainSimulator?

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Railway Empire ist auch knapp eine Woche nach der Veröffentlichung noch unter den TOP 15 Spielen auf Steam. Grund genug herauszufinden ob das Spiel ein würdiger Nachfolger des altehrwürdigen Railroad Tycoon ist oder doch eher dem beschaulichen TrainSimulator nacheifert.

„Railway Empire ist nach Tropico 5 der erfolgreichste Steam-Launch der Historie von Kalypso.“ So lässt sich der Chef des Publishers Kalypso, Simon Hellwig, der gleichzeitig der Managing Director des Spiels ist, diese Woche zitieren. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass das Spiel beim relativ kleinen Team von Gaming Minds Studios in Gütersloh entstanden ist.

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Doch fangen wir vorne an.
Wie man am Namen wahrscheinlich schon erraten kann baut man in Railway Empire sein eigenes Unternehmen als Zugbetreiber auf. Als historischer Hintergrund dient dazu der Zeitraum ab 1830 in den USA. Die bespielbare Karte ist dabei eine im Maßstab geschrumpfte Karte der USA. Der Einstieg in Railway Empire gelingt am leichtesten durch die 5 Kampagnenmissionen. Nach und nach werden komplexere Szenarien aufgebaut, der Forschungsbaum eingeführt, die Konkurrenten und die Warenkreisläufe. Angenehm dabei ist, dass die Missionen in der Regel mehrere Stufen haben und uns immer klare Ziele vorsetzen. Die kleinen Geschichten die innerhalb der Missionen erzählt werden geben den Szenarien immer einen netten Rahmen. In einer Mission werden wir mit unserem Zugunternehmen sogar in den Amerkanischen Bürgerkrieg verwickelt und müssen Waffen bis an die Front liefern oder möglichst schnell Truppen in bestimmte Städte transportieren. Die Geschichte der USA wird immer wieder durch Zeitungsartikel erzählt. So bekommen wir mit, wie und warum sich die Republikanische Partei gründet und die USA in den Bürgerkrieg stürzen. Wer will, kann sogar ein wenig über die bewegte US-Geschichte lernen.

 

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Wer nicht erst langsam herangeführt werden muss schwingt sich sofort ins offene Spiel.
Wir verbinden Städte miteinander, sorgen dafür dass die Produktionsbetriebe ans Schienennetz angeschlossen werden um ihre Waren schneller in die Städte zu schaffen.
Jede Stadt hat dabei eigene Bedürfnisse, die gestillt werden wollen, bevor die Stadt wächst. Je größer die Stadt, desto mehr verarbeitende Betriebe können in der Stadt sein. Wer das nötige Kleingeld hat kann selbst in einer Stadt bauen und beispielsweise ins Waffengeschäft einsteigen um das Militär im Krieg zu versorgen. Dabei unterliegt alles dem Gesetz von Angebot und Nachfrage. Alle Betriebe können mehrere Stufen aufsteigen und so mehr produzieren. Ebenfalls richtig teuer sind die Produktionsbetriebe, wie Kohleminen, Farmen und Holzfällerlager die man ebenfalls kaufen kann und so den gesamten Produktionszyklus sein Eigen nennen kann. Wer aber die einzige Getreidefarm in einem Landstrich kaufen will, die gleichzeitig gut angebunden und auch ausgebaut ist, wird sehr tief in die Tasche greifen müssen. Hier lohnt sich Weitsicht und Planung. Es kann sich lohnen einen Betrieb zu kaufen, der noch nicht am Schienennetz angebunden ist und ihn erst später anzubinden um dann ordentlich Kasse zu machen.
Wer will kann zudem Anteile der Konkurrenzunternehmen aufkaufen und diese am Ende vollkommen übernehmen. Gerade bei Miss Pomp kann ich dazu raten, da diese Dame wirklich extrem nervig ist. Ständig quasselt sie mit Belanglosigkeiten und in einer wirklich nervenaufreibenden Stimme in die gemütliche Aufbau-Atmosphärerein und verrät dabei so manches Detail aus ihrer Vergangenheit, das ich lieber nicht gewusst hätte. Mit größter Freude habe ich daher ihr Unternehmen Stück für Stück an mich gerissen bis ich 100% des Unternehmens kontrollierte und es meinem Imperium einverleiben konnte. Samt aller Bahnhöfe, Schienen, Loks und Angestellten. Was eine Genugtuung. 

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Der Schwerpunkt bei Railway Empire liegt aber eindeutig auf den Zügen und Schienen. Die Steuerung ist dabei in der Theorie sehr einfach. Man verbindet ein Gleis eines Bahnhofs mit einem Gleis eines anderen Bahnhofs und das Spiel schlägt von alleine eine Route vor, wie die Gleise gebaut werden können. Fertig. Unserer Erfahrung nach lohnt es sich aber noch selber Hand anzulegen. Die Vorschläge des Spiels sind eigentlich nie optimal. Die vorgeschlagene Route lässt sich zum Glück einfach mit der Maus anpassen. Die Ersparnisse können dabei zwischen ein paar wenigen Prozenten und happigen 90% liegen. Gerade Brücken und Tunnel sind nämlich sündhaft teuer. Ein Umgehen von Hindernissen kann also zu großen Einsparungen führen. Wer jedoch hohe Steigungen in Kauf nimmt um sich eine Brücke zu sparen muss damit rechnen, dass die Loks im Schneckentempo über die Schienen kriechen. Gerade wer hochprofitable Expressverbindungen zwischen großen Städten einrichten will, ist mit einer teureren Strecke besser beraten.

Dampft es erstmal aus allen Kesseln und unsere Züge rollen durch die USA, entwickelt das Spiel eine tolle Atmosphäre. Wer will kann den Zügen und ihren Dampf-Spuren zuschauen, wie sie sich ihren Weg durch die Landschaft bahnen oder sogar in jeder Lok mitfahren. Die insgesamt ganz hübsche Grafik erzeugt eine etwas spielzeughafte Optik. Der Soundtrack ist nichts weniger als großartig. Die zeitgenössische Musik passt einfach perfekt zum Spiel und trägt massiv zur dichten Atmosphäre bei. Ich habe mich immer wieder dabei erwischt, wie ich wippend das nächste Gleis geplant habe.

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Eines muss aber bei allem Lob klar sein. Railway Empire ist kein Spiel für Hardcore Strategen. Es ist keine Simulation. Das Gewicht der Lok und transportierter Güter ist absolut unerheblich. Loks verbrauchen zudem nicht konstant Feuermittel, wie Holz oder Kohle und auch das Wirtschaftssystem ist übersichtlich gehalten. Die Produktionsketten sind gleichzeitig nie länger als drei Schritte und es fehlen eine Menge Funktionen, die auch den normalen Spieler immer wieder nerven. So lässt sich nicht einstellen welche Rohstoffe ein Zug transportiert. Besonders dramatisch wirken sie diese Patzer der KI aus, wenn man Warenspeicher nutzt. Gerade auf dem Land, wo mehrere Produktionsstädten relativ nahe beieinander liegen, kann es sinnvoll sein, die Waren in einem Speicher zu konzentrieren und dann alles zusammengefasst mit einem Zug in die nächste Stadt zu fahren. In meinem Fall fuhr der Zug, der die Waren vom Warenspeicher abholen sollte allerdings nur Kühe in die nächste Stadt, obwohl ein Mangel an Milch das Wachstum der Stadt behinderte, die aber im Speicher vorrätig war. Erst nachdem ich keine Kühe mehr zum Speicher gebracht habe und der Vorrat erschöpft war, nam der Zug in die Stadt auch die Milch mit. Das ist sehr nervig und sollte unbedingt noch verbessert werden. Insgesamt ist das Spiel aber nach meinem Geschmack einen Tick zu einfach. Allein die Zeitlimits in der Kampagne sorgen hin und wieder für Stress.

Fazit

Insgesamt ist Railway Empire aber ein wirklich gutes Spiel. Das Spiel schafft es dieses „nur noch eine Strecke“-Gefühl zu erzeugen und packt das solide spielerische Grundgerüst in eine charmante Optik mit fantastischer Musik und einer interessanten Spielwelt.
Es ist komplex genug, um für Stunden unterhaltsam zu sein, aber leicht genug zu erlernen, so dass auch Einsteiger ihren Spaß finden. Es passt irgendwie zwischen Railway Tycoon und dem TrainSimulator. Den Tiefgang von beiden Spielen kann Railroad Empire aber nicht erreichen. Es sitzt als zugänglicher Titel irgendwo dazwischen. Einzig der Preis stößt mir leicht sauer auf. Auf Steam kostet das Spiel knapp 50€. In meinen Augen wären 40€ ein deutlich angemessenerer Preis. Solltet ihr das Spiel zu diesem Preis finden kann ich es für alle empfehlen, die auch nur einen Funken für Wirtschaftssimulationen oder Züge übrig haben.

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