Der Fingerabdruck – Extrem gefährlich, oder extrem praktisch?

Das Touch ID System im iPhone 5S. Quelle: Apple All rights reserved by Apple Inc.

Das Touch ID System im iPhone 5S.
Quelle: Apple
All rights reserved by Apple Inc.

Apple hat mit seinem iPhone 5S die Idee des Fingerabdruck-Lesers auf die große Bühne gehoben. Apple ist weder das erste Unternehmen, das einen solchen Sensor in ein Handy baut, noch wird es das Letzte sein. Doch gerade im Anbetracht des Datenschutzes sehen viele das neue Feature des iPhone 5S eher kritisch. Wir versuchen euch hier mal beide Seiten der Medaille zu beleuchten.

Das iPhone ist noch immer das Smartphone, das sich am besten verkauft. Insgesamt verkauft Samsung zwar deutlich mehr Smartphones, erreicht dies aber mit einer breiteren Produktpalette. Wenn Apple also ein neues Feature im iPhone vorstellt, dann spricht die komplette Industrie darüber.
Der neuste Streich aus Cupertino trägt den Namen Touch ID und ist ein extrem hochauflösender Touchsensor, der so fein auflöst, dass Fingerabdrücke gelesen werden können. Mit Touch ID kann man aber in Zukunft nicht nur sein pHandy entsperren, sondern kann auch zum Beispiel in Apples iTunes- oder AppStore bezahlen.
Sofort ploppen in den meisten Köpfen eine Reihe von Fragen auf:
Was passiert mit dem Fingerabdruck?
Wer kann auf die Daten zugreifen?
Was kann man damit machen?
Und warum installiert Apple ein solches Gerät im iPhone?
Welche Vorteile zieht Apple aus einem Sensor wie diesem?

Das Motorola Atrix 4G war das erste Smartphone mit einem Fingerprint-Scanner. Dieser liegt an der Oberseite des Gerätes. Quelle: Amazon All rights reserved by Motorola a Google company

Das Motorola Atrix 4G war das erste Smartphone mit einem Fingerprint-Scanner. Dieser liegt an der Oberseite des Gerätes.
Quelle: Amazon
All rights reserved by Motorola a Google company

Einzig die Touch ID Software darf auf den Fingerabdruck zugreifen.

Apples Technik unterscheidet sich grundsätzlich von bisherigen Systemen. Anstatt ein Bild des Fingers zu erstellen und dieses nach den Strukturen abzusuchen, erstellt das iPhone einen Salat aus markanten Punkten auf dem Finger. Das führt zum einen dazu, dass man aus dem Datensatz kaum einen Finger rekonstruieren kann, da man nur einzelne Punkte kennt, und zum anderen, dass der Nutzer den Finger so auf dem Feld halten kann, wie er will.
Die Daten werden zudem auf dem internen Speicher des iPhones abgelegt und weder Apps, noch Apples eigenes iCloud oder der iTunes Store darf direkt auf die Daten zugreifen. Einzig die Touch ID Software hat die Berechtigung auf den Datensatz zuzugreifen. Diese Software gibt anderen Apps, die Touch ID nutzen, nur ein rotes, oder grünes Licht.

Der Identitäts-Klau bleibt ein Risiko, dass nicht auszuschließen ist.

Wichtig hierbei ist allerdings im Kopf zu behalten, dass es sich um eine Software-Sperre handelt. Jede Software kann geknackt werden, oder selbst Fehler, so genannte Bugs, beinhalten. Sicherer wäre es gewesen, wenn Apple einen eigenen Speicher im iPhone eingebaut hätte, der absolut keine Verbindung zum Hauptspeicher des iPhones hat. Absolut sicher wäre auch diese Methode nicht, dafür aber deutlich teurer.
Sollte ein kompletter Abdruck des Fingers also doch irgendwie aus den Daten wiederhergestellt werden können, dann hätte der Hacker einen wichtigen Bestandteil der Identität des Nutzers geklaut. Viele erhoffen sich, dass der Fingerabdruck zum neuen Bezahlmittel im Internet wird. Ein vollständiger Abdruck könnte dann so wertvoll sein wie eine Kreditkarte samt PIN.

Touch ID könnte Apple noch mehr Verkäufe von Medieninhalten einheimsen. Quelle: Apple

Die Ära der Passwörter könnte zu Ende gehen.

Die Verfechter der neuen Technik hingegen sehen einen großen Vorteil.
Zum einen bietet der Fingerabdruck eine einwandfreie Identitätsprüfung und ist gleichzeitig immer griffbereit. Die Ära der Passwörter könnte zu Ende gehen. Gerade dies gilt in Technik-Kreisen als besonders wichtig, da ein bedeutender Teil der Nutzer nur sehr schwache Passwörter nutzt. Ein weiterer Teil nutzt stets die gleichen Passwörter, oder gar nur ein einziges. Gerade die letzte Methode öffnet Tür und Tor zur kompletten Übernahme der digitalen Identität.
Der Fingerabdruck wäre deutlich sicherer als die meisten Passwörter und wäre stets dabei.

Apple schafft eine Barriere beim Kauf eigener Produkte ab.

Gerade der letzte Punkt ist dann wieder interessant für Unternehmen wie Apple. Die eigentlichen Daten des Fingerabdrucks sind für ein Unternehmen wie Apple nur von sehr geringer Bedeutung. Die Konzerne wollen unsere Bedürfnisse und Wünsche besser kennen lernen um uns besser bewerben zu können und ihre Produkte so gut wie möglich auf uns anzupassen. Kurz um, Apple will verkaufen. Die Form meines Fingerabdrucks hingegen ist für das definieren meiner Bedürfnisse nicht hilfreich. Viel wichtiger ist, dass er Apple eine Identitätsprüfung erlaubt, die deutlich angenehmer für den Nutzer ist, als Passwörter.
Diese stellen zurzeit noch Barrieren für einen Kauf in einer der Stores von Apple dar. Ich würde mir auch zweimal überlegen, ob ich ein Lied jetzt kaufe, wenn ich zuerst das Passwort komplett zurücksetzen muss. Alleine der iTunes Store steht mit immerhin einer Milliarde Dollar Reingewinn in Apples Bilanz.
Der Sensor bietet Apple zusätzlich Spielraum für einen System, mit dem sich mobil bezahlen lässt. Die App Passbook hat schon im letzten Jahr Apples Ambitionen in dieser Richtung bezeugt. Apple könnte zum Beispiel für jede Bezahlung, die mit Touch ID bestätigt wird ein paar Cent vom Verkäufer verlangen, wie es heute schon Kreditkartenunternehmen machen. Den eigentlichen Favoriten für die drahtlose Verbindung, NFC, hat Apple allerdings nicht verbaut. Diese Tatsache ist aus Kundensicht äußerst ärgerlich und lässt sich nur damit erklären, dass Apple zuerst so viele Käufe wie möglich durch seine eigenen Dienste abwickeln will, bevor andere darauf zugreifen dürfen.

Das iPhone 5S. Quelle: Apple

Das iPhone 5S.
Quelle: Apple

Die NSA oder GCHQ wird irgendwann sicherlich einen Weg finden, die Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen, keine Frage.

Für Apple und andere Unternehmen sind die Anreize zum verbauen dieser Sensoren also andere, als man zunächst denken mag. Die NSA oder GCHQ wird irgendwann sicherlich einen Weg finden, die Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen, keine Frage. Ich für meinen Teil denke sogar, dass dies eher früher als später passiert. Vergessen sollte man aber auch nicht, dass im neuen Personalausweis ebenfalls ein Fingerabdruck hinterlegt sein kann. Wichtig ist und bleibt, dass die Nutzung des Fingerabdrucks eine Option und keine Pflicht ist. Niemand hindert einen das iPhone 5S per PIN zu entsperren und weiterhin iTunes-Einkäufe mit seinem Passwort zu bestätigen. Für viele wird der Sensor dennoch ein großer Schritt in ein sichereres Web sein und ganz nebenbei das Geldausgeben im Netz deutlich erleichtern.

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8 Gedanken zu „Der Fingerabdruck – Extrem gefährlich, oder extrem praktisch?

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