Netzneutralität – Ist das wichtig, oder kann das weg?

 

 

Netzneutralitäts-Symbol von Attraktor.org Link: http://bit.ly/1tktJPX

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Unsere Gesellschaft ist online. In der westlichen Welt wird sich nur schwerlich jemand finden, der unter 40 ist und nicht in irgendeiner Weise im Internet unterwegs ist. In noch jüngeren Altersgruppen ist das Netz praktisch ein ebenso ständiger Begleiter wie Strom. Es ist überall und es wird ständig benutzt. Das alles ist aber nur in einem neutralen Netz möglich. Wir erklären euch hier so kurz wie möglich, aber so detailliert wie nötig, was Netzneutralität ist und warum wir sie brauchen.

 

 

 

Wir Internetnutzer surfen in unserem Alltag ständig. Ungehemmt springen wir von Katzenvideos zu Pornos, dann zur harten Politik der Weltbühne und zum Liveticker unseres Fußballvereins, um Abends noch schnell eine Folge unserer Lieblingsserie zu sehen.

 

 

Diese Marken bestimmen die Zukunft. Alle hier verwendeten Marken und Logos sind Eigentum der jeweiligen Unternehmen.  Das Hintergrundbild gehört der NASA.

Diese Marken bestimmen die Zukunft.
Alle hier verwendeten Marken und Logos sind Eigentum der jeweiligen Unternehmen.
Das Hintergrundbild gehört der NASA.


Das Internet ist so vielseitig wie die Menschen, die es nutzen.

 

Jeder hat da so seinen eigenen Ablauf entwickelt, hat seine Lieblingsseiten im Netz und nutzt Dienste wie Facebook eben so wie er es will. Manche lesen nur politische Artikel aus einer Vielzahl von Perspektiven und Quellen, andere Stöbern nach fantastischen Fotos, nach noch nie zuvor gehörten Tönen oder schauen ganze Fernsehserien in einem Rutsch durch. Das Internet ist derzeit genau so vielseitig wie die Menschen, die es nutzen.

 

 

Nach dem Fall der Netzneutralität in den USA drosselte Comcast den Service Netflix so lange, bis diese Geld bezahlten.

Nach dem Fall der Netzneutralität in den USA drosselte Comcast den Service Netflix so lange, bis diese Geld bezahlten.

 

Die Netze müssen ständig ausgebaut werden.

Doch nicht alle Angebote im Internet belasten die Netze gleich viel. Geschriebene Daten, wie E-Mails, SMS, WhatsApp-Nachrichten oder geschriebene Artikel wie dieser, sind ziemlich klein und können sehr leicht übertragen werden. Die größte Belastung der Netze stellen hingegen Videos dar. Gerade hochaufgelöste Inhalte erfordern eine schnelle und auch stabile Verbindung. Ein HD-Film scheffelt so in zwei Stunden locker mehrere Gigabyte durch die Leitung. Kein Vergleich zu Musik, die mit circa 120 MB in 2 Stunden auskommt.
Diese Belastung stellt die Netzbetreiber, kurz ISPs, vor große Probleme. Alle Daten ihrer Kunden laufen über das Backbone, also das Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetz der ISPs. Diese stoßen, laut Unternehmen wie der Telekom in Deutschland oder Comcast in den USA in Zukunft an ihre Belastungsgrenze. Ein Ausbau ist technisch fraglos möglich, aber mit immensen Kosten verbunden. Diese Kosten wollen die ISPs aber nicht selbst tragen und greifen nun die Netzneutralität an, um, laut eigener Aussage, die Infrastruktur zu verbessern, das heutige Netz zu entlassen und ihren Kunden einen besseren Service zu liefern.

 

 

Alle Daten sollten gleich behandelt werden.
Die Leitungen im Boden werden sonst zu einem übermächtigen Instrument.

Wichtig zu klären ist dabei aber, was genau da mit diesem Wort „Netzneutralität“ gemeint ist. Der Begriff bezeichnet im Grunde nur das Prinzip, dass alle Daten innerhalb des Internets absolut gleichwertig behandelt werden. So wird eine E-Mail von Barack Obama ebenso schnell verarbeitet wie eine Mail von mir an Alex.
Dies ist wichtig, da ISPs, wie die Telekom, das Netz für eine Vielzahl an Unternehmen bereitstellen, die unter Umständen Produkte anbieten oder nutzen, die in direkter Konkurrenz zu denen der Telekom stehen. Ein gutes Beispiel wäre beispielsweise die OneDrive von Microsoft, die in direkter Konkurrenz zur Telekom Cloud steht. Die Netzneutralität ist also ein wichtiges Instrument, um zu verhindern, dass sich die ISPs einen unfairen Wettbewerbsvorteil durch das Betreiben der Internetleitungen verschaffen können. Doch auch Vereine und Organisationen werden durch die Netzneutralität beschützt. So könnten ISPs unliebsamen Aktivisten sonst den Zugang zu unter Umständen wichtigen Internetplattformen so weit drosseln, dass ein normales, zeitgemäßes Arbeiten nicht mehr möglich wäre.

 

https://www.flickr.com/photos/seanweigoldferguson/5281784826/in/photolist-wpgf1-93JwBC-7rimr2-BJEuF-Fms8u-8XHNHa-93JsY9-48MWoV-fUjhb-48RYif-48MWyB-48MWAH-48RY9Q-48MWjT-48MWKp-48RXQU-48MWNV-48RXWf-48RXJd-48RYcb-48MWsx-48RYfq-48RY8b-48RY2w-48MWGT-48MWi6-48RXKy-48MWgP-48RXHs-48MWN6-48MWuz-74khii-apsDsy-nCeD6Q-7riixT-9wujCa-7Fhkgv-6xqxHe-7FiFBs-9Wk6HQ-otmZJ-5NJHhd-otmrU-8Uhsqi-otkHk-7Rwf5y-otmv2-otmwM-otkR8-otkWC

Ein FCC-Logo von Sean Weigold Ferguson und mit tagxedo.com hergestellt.
Unter CC BY-SA 2.0-Lizenz.

 

Die USA stehen derzeit kurz davor die Netzneutralität abzuschaffen.

Diese Einschränkung der Macht der ISPs ist dabei durchaus erforderlich. Das Bauen der Netze ist sündhaft teuer was dazu führt, dass nur wenige Unternehmen diese Netze besitzen. Die immensen Kosten gleichen die ISPs dadurch aus, dass jeder, der die Netze nutzt eine Gebühr bezahlt. Wir alle kennen diese Gebühr als monatliche Rechnung. Dieses Prinzip hat viele ISPs sehr reich gemacht, da sie praktisch keine Konkurrenz zu fürchten haben. Comcast, der größte ISP in den USA will derzeit beispielsweise den Konkurrenten Time Warner Cable, kurz TWC, kaufen. Die Summe ist mit schier wahnsinnig wirkenden $67 Millarden eine der höchsten in der Geschichte von Unternehmensübernahmen und entspricht etwa einem Fünftel aller Steuereinnahmen, die der Bund 2013 eingenommen hat.  (siehe: Bundeshaushalt 2013)
Ein Wegfall dieser Netzneutralität würde also einen großen Machtzugewinn für die ISPs bedeuten. Doch die Auswirkungen wären praktisch unabsehbar. Unternehmen wie Google könnten beispielsweise gezwungen werden neben ihren regulären Ausgaben für ihre Internetverbindung zusätzlich zur Kasse gebeten werden, um sicher zu stellen, dass die ISPs YouTube-Videos auch in hoher Qualität bei den Kunden ankommen. Für ein Unternehmen wie Google wäre das vielleicht noch verkraftbar, doch kleinere Unternehmen, Stiftungen oder Organisationen die auf Spenden angewiesen sind, wie Beispielsweise die Wikipedia, dürften Schwierigkeiten haben die zusätzlichen Kosten zu schultern. Ein freier Markt indem auch kleine Unternehmen, wie es YouTube mal war, würde also praktisch wegfallen, da die Dienste nur mit sehr langsamer Geschwindigkeit versorgt werden würden und sich die Kunden natürlich die schneller laufenden Dienste der großen Unternehmen zulegen würden. Das Internet würde also eine Menge der Innovationskraft verlieren. Ein weiterer Aspekt ist der Verlust der Informationsvielfalt. Blogs, wie dieser hier würden, falls sie nicht zahlen, deutlich langsamer laufen, als Angebote von großen Unternehmen und wer wartet schon gerne ewig darauf, dass eine Seite aufgerufen wird.


Auch Verbraucher könnten zur Kasse gebeten werden.

 

Die Verbraucher könnten, fairer Weise, am Anfang allerdings durch den Wegfall der Netzneutralität auch profitieren. So könnten die ISPs ihre eigenen Dienste deutlich günstiger anbieten als die Konkurrenz. Doch auch dieser Effekt könnte im Laufe der Zeit umschlagen, da die ISPs nicht nur Unternehmen zwingen könnte für schnelle Internetverbindungen zu ihren Kunden extra zu bezahlen, sondern auch die Kunden zwingen können schnellen Zugang zu den Inhalten zu erwerben. In diesem Horrorszenario müsste man als Verbraucher für einen schnellen Zugang zu Facebook monatlich ein paar Euros extra berappen. YouTube, die Tagesschau, Wikipedia und alle anderen Dienste würden sich ebenfalls extra auf der Rechnung bemerkbar machen. Zugegeben, dies ist ein Worst-Case Szenario, aber eben in einem Netz ohne Netzneutralität durchaus möglich.

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2 Gedanken zu „Netzneutralität – Ist das wichtig, oder kann das weg?

  1. Pingback: Wir haben das Internet zerstört! Ja, DU bist Schuld! |

  2. Pingback: We fucked the Internet! Yes, it is YOUR fault! |

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