Wie Nintendo uns zur Bewegung zwingt – Pokemon GO im Test

 

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Die Welt ist im Pokemon GO Fieber – naja zumindest die Länder, in denen es das Spiel bereits gibt. In Deutschland ist es über einen kleinen Umweg möglich, an die App zu kommen. Ich habe mir mal ein paar Stunden genommen und das Spiel getestet. Ob Pokemon GO funktioniert, lest ihr hier.

Es ist der Traum meiner Kindheit: Pokemon im echten Leben fangen. Geschlagene 22 Jahre musste ich darauf warten und jetzt ist es endlich so weit. Augmented Reality machts möglich. Mit der App Pokemon GO von Entwickler Niantic kann ich in der echten Welt herumlaufen und Pokemon fangen, trainieren und mich mit anderen in Arenen messen. Das Coolste an der ganzen Sache, die Pokemon werden durch Kamera und App direkt in die Reale Welt projiziert – naja zumindest auf meinen Smartphonebildschirm.

Das Grundprinzip von Pokemon GO basiert dabei auf der Vorgängerapp Ingess. In dieser spielen zwei Teams mit Hilfe von Augmented Reality um die digitale Kontrolle in einem Gebiet. Sehenswürdigkeiten und besondere Orte in der echten Welt dienen dabei als Portale, um ein Gebiet einzunehmen. Im September 2015 gaben die Entwickler dann bekannt, dass sie mit Nintendo an Pokemon GO arbeiten. Kein Wunder also, dass sich in der App einige Elemente des Vorgängers wiederfinden.

Ich will der aller Beste sein, wie keiner vor mir war…

Leider ist es bis dahin derzeit noch ein weiter Weg. Pokemon GO gibt es nämlich zum Zeitpunkt dieses Testes noch gar nicht in Deutschland. Lediglich die Amerikaner und Australier können die App ganz normal aus dem Playstore laden. Zum Glück gibt es im Internet aber bereits die deutsche AKP Datei des Spiels. Bei Chip.de könnt ihr diese ganz legal runterladen und installieren.

Unser erstes Pokemon - ein Pikachu

Unser erstes Pokemon – ein Pikachu

Dann kann es dann immer noch nicht wirklich losgehen. Durch den großen Ansturm sind die Deutschen Server völlig überlastet. Wirklich vorwerfen kann ich das den Entwicklern aber nicht, den offiziell gibt es Pokemon GO ja noch nicht in Deutschland. Um trotzdem auf die Server zu kommen, müsst ihr die App immer wieder schließen, neu öffnen und euch erneut anmelden. Das ist zwar nervig, aber irgendwann klappt es. Mein Tipp: Versucht es einfach mal mitten in der Nacht, wenn nicht so viele zocken. Nachdem ich des erste mal eingeloggt war hatte ich dann auch keine Serverprobleme mehr, selbst wenn ich das Smartphone zwischendurch Mal aus hatte.

Ganz allein fang ich sie mir…

Jetzt kann es endlich losgehen! Wenn ihr Pokemon GO das erste Mal startet, trackt die App euren Standort und zeigt euch auf dem Display eine Karte eurer kompletten Umgebung. Besonders cool fand ich, dass nicht nur große Straßen, sondern wirklich alles in der Karte zu finden ist. So gab es zum Beispiel auch ein komplettes Wegenetz des Friedhofs in der Nähe der Redaktion. Die GPS Trackung hat in meinem Test problemlos funktioniert. Bis auf wenige Meter erkannte die App sehr genau wo ich mich genau befinde.

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Im Menü können wir unsere Pokemon entwickeln und trainieren.

 

Zuallererst müsst ihr euch ganz klassich zwischen einem von drei Startpokemon Shiggi, Bisasam oder Glumanda entscheiden. Einen wirklichen Einfluss wie in den Gameboyspielen hat eure Wahl allerdings nicht. Zu eurem Startpokemon gesellen sich sehr schnell noch vor eurem ersten Kampf weitere Pokemon, die meist stärker sind. Da ihr diese zum Fangen aber noch nicht mal schwächen müsst, ist die Wahl zwischen Bisasam, Schiggi und Glumanda wohl ehr eine Glaubensfrage. Wer keines der drei Pokemon sein Erstes nennen möchte, sondern lieber Pikachu zum besten Freund hätte, kann sich an einem kleinen Trick bedienen, um die kleine gelbe Knuddelmaus gleich zu Beginn zu bekommen.

Nachdem ihr euer erstes Pokemon gewählt hab, werden euch auf der Karte Pokestops, Arenen und natürlich wilde Pokemon angezeigt. In unserer Teststadt Bonn wurde ich fast schon von dem Überangebot erschlagen. Wie es sich aber gerade in kleinere Orten verhält, kann ich hier nicht sagen. Da wir unser Arsenal an Pokemon so schnell wir möglich erweitern wollen um ein Level aufzusteigen machen wir uns gleich auf die Suche nach unseren ersten wilden Pokemon. Im Gegensatz zu Pokestops und Arenen werden uns wilde Pokemon aber nur angezeigt, wenn wir auch wirklich in ihrer Nähe sind. Hilfe bekommen wir dabei von einer Art Pokemonradar, welches uns anzeigt, welche Tierchen in der Nähe sind. Wählen wir hier eines aus, blinkt das Rada grün wenn wir zumindest in die richtige Richtung gehen. Welche das aber ist müssen wir selber herausfinden. Wer auf das Pokeradar keine Lust hat kann auch auf der Karte nach Blättern suchen, die aufgewirbelt werden. Meist versteckt sich auch hier ein Pokemon.

Wenn ihr euch erst mal an die Wurftechnik gewöhnt habt klappt das mit dem Pokemon fangen ganz gut

Wenn ihr euch erst mal an die Wurftechnik gewöhnt habt klappt das mit dem Pokemon fangen ganz gut

Sobald wir eines gefunden haben, können wir es anklicken. Jetzt kommt der wirklich coole Teil: Mit unserer Kamera suchen wir auf dem Display das Pokemon. In der Regel geht das aber recht schnell. Wenn es dann endlich vor uns steht werfen wir mit einem gekonnten Wurf einem Pokeball nach ihm. Wenn wir es treffen, wird es in den Pokeball gezogen, ist dann aber noch nicht gefangen. Wie schon in den spielen ist es möglich, dass gerade stärkere Pokemon wieder entkommen. Wie stark ein Pekomon ist, sehen wir an der Farbe des Zielkreises, wenn wir einen Pokeball werfen. Grün geht dabei meistesn leicht von der Hand, bei gelb und Rot müssen wir schon mehr Pokebälle investieren. Hat ein Pokemon Fragezeichen über dem Kopf ist es einfach zu stark für uns und die Bälle sollten wir uns sparen.

Das Fangen an sich braucht anfangs ein bisschen Übung. Wie bei den meisten Apps, in denen ein Ball geworfen wird, geben wir ihm Schub, in dem wir mit dem Finger von unten nach oben auf dem Display wischen. Beim Werfen des Balles hatte ich aber oft das Gefühl, dass der Pokeball nicht so richtig auf die von meinem Finger ausgeübte physische Kraft reagierte. Mal flog er zu lasch, mal viel zu weit. Mit der Zeit gewöhnte ich mich aber an die etwas umständliche Steuerung. Die Pokemon selbst werden dabei mal mehr mal weniger realistisch in die echte Umgebung eingebaut. Besonders wenn sich viele Objekte und Unterschiedliche höhen im Bildausschnitt befinden wirken die Pokemon doch etwas unglaubwürdig platziert. War ich aber zum Beispiel auf einem geraden Weg mit viel Platz hätte es durchaus sein können, das Pikachu direkt vor mir steht.

Zum Realismus trägt auch bei, dass sich die Pokemon immer wieder bewegen und ihren Standpunkt wechseln, auch wenn das mehr schlecht als recht aussieht. In der echten Welt sorgt das für ungewollte Aufmerksamkeit, besonders wenn ihr beim Fangen fast mit einem Fahrrad zusammen stoßt. Ein bisschen Vorsicht ist beim ganzen Spaß also durchaus sinnvoll und an die komischen Blicke gewöhnt ihr euch auch.

Auf der Map werden euch in echtzeit wilde Pokemon, Pokestops und Arenen angezeigt.

Neben den Pokemon gibt es dann noch überall auf der Karte sogenannte Pokestops. Diese sind laut Beschreibung besondere Orte wie Sehenswürdigkeiten. Wenn allerdings jetzt schon die Schule gegenüber der Redaktion oder der Altbau, nebenan unter Sehenswürdigkeiten fallen – naja. Von den Pokestops gibt es also reichlich auf der Karte und es scheint fast so, als seihen die Stops eins zu eins die Portale aus der Vorgänger App Ingress.  Kommt ihr an einem vorbei, könnt ihr hier versteckte Items finden. Zu Beginn sind das hauptsächlich Pokebälle, mit höherem Level kommen aber auch Gegenstände wie Pokeeier oder Heiltränke hinzu. Netter Nebeneffekt des ganzen: Dank der Pokestops entdecke ich Orte, wie kleinere Denkmäler, in meiner Umgebung, die ich sonst nicht wahrgenommen habe. Gefällt mir! Zudem funktioniert das Zusammenspiel von Pokestops und das Fangen von Pokemon unheimlich gut und stachelt den Sammlertrieb an. Es ist eben doch immer noch ein Pokemon um die nächste Ecke und so werden aus geplanten zwei Stunden mal eben drei.

Ich kenne die Gefahr…

Und ich hätte auch noch weiter gemacht, wäre dann nicht mein Akku leer gewesen. Einer der großen Nachteile von Pokemon GO ist nämlich die hohe Akkubelastung. Ihr solltet euch als zwei Mal überlegen, ob ihr euer Smartphone heute noch für irgendwas Wichtiges braucht. Zwar gibt es im Spiel einen Energiesparmodus, der ist allerdings mehr schlecht als recht. Schaltet ihr ihn ein, geht er nur an, wenn ihr das Handy auf dem Kopf haltet. Dann verdunkelt sich zwar der Bildschirm, schaltet sich aber nicht aus. Zum einen könnte die App durch einen ausgeschalteten Bildschrim noch mehr Energie sparen, zum anderen besteht auch immer noch die Gefahr, die aus Versehen zu schließen. Leider funktioniert es auch nicht, die App einfach im Hintergrund weiter laufen zu lassen, weil sie dann eure Position nicht mehr trackt.

Ebenfalls nicht so gut gefallen haben mir die Arenakämpfe. Bevor ihr die allerdings bestreiten könnt, müsst ihr erst einmal Level 5 erreichen. Am schnellsten geht dass, in dem ihr möglichst viele neue Pokemon fangt. Die Kämpfe selbst laufen dann aber recht unspektakulär ab. Ihr wählt die Pokemon, mit denen ihr antreten wollt und ab dann heißt es Buttonsmashing vom feinsten. Im Gegensatz zu den Gameboyspielen laufen die Kämpfe nämlich nicht rundenbasiert sondern in Echtzeit ab. Gewinnen tut am Ende der, der schneller tippen konnte und sein Pokemon vorher besser trainiert hatte.

Kämpfe in der Arena sind leider viel zu hektisch und einseitig. Hier gewinnt, wer schnell klickt und bessere Skills hat.

Cool ist dagegen der Kampf um die Herrschaft in einem gebiet. Bevor ihr nämlich das erste mal eine Arena betretet müsst ihr euch für ein Team entscheiden (Rot, Gelb, Blau). Gewinnt ihr einen Arenakampf, wechselt die Arena in euer Team, bis sie jemand anderes erobert. Ich freue mich schon auf hart erkämpfte Vorherschaften in einem Gebiet wie beim Vorgänger Ingress. In Umgebung der Redaktion gibt es allerdings nur rote Arenen, weshalb ein bisschen die Befürchtung bleibt, dass Pokemon GO hier sehr unfair ist. Ich hoffe mal, dass die App irgendwann steuert, wie viele Spieler in einem Team sind.

Ich streife durch das ganze Land, ich suche weit und breit…

Was ich Pokemon GO wirklich zu gute halten muss ist der enorme Suchtfaktor. Während des Test bisn ich fünf Kilometer mehr gelaufen als ich es sonst getan hätte und ich habe jetzt schon wieder Bock erneut raus zu gehen. Das liegt unter anderm auch an meinem Pokeei, welches ich an einem Pokestopp gefunden habe. Ganze zehn Kilometer muss ich damit im Brutkasten durch die Gegend laufen, damit es ausgebrütet wird. Autofahren zählt dabei nicht. Die App misst die Geschwindigkeit und lässt nur gegangene Kilometer zählen.

Außerdem halten sich in meinem Umfeld oft die gleichen Pokemon auf. Es ist zwar sehr sinnvoll, sie zu fangen, denn durch sie bekomme ich Pokebonbons, womit ich meine Pokemon entwickeln kann, um neue Arten zu finden muss ich mich aber anscheinend noch mehr bewegen – aber das macht mir nicht wirklich was aus. Außerdem gibt es mittlerweile Facebookgruppen, in denen Spieler Tipps finden, wo sie ein bestimmtes Pokemon finden.Was mich am Ende dann wirklich von Pokemon GO überzeugt hat (und eigentlich hätte das schon gar nicht mehr sein müssen) war eine unerwartete Begegnung auf der Straße. Ich war gerade mit Kollege Leo Mühring dabei ein wildes Schiggi zu fangen, als wir ein paar meter weiter einen gruppe von Jungs hörten, die gerade dabei war ein Taubsi zu fangen. Schnell waren wir mit den Jungs in Expertengespräche vertieft, präsentierten stolz unsere Pokemonsammlungen und hatten Tipps, wo es denn noch was zu holen gäbe. Einfach nur Großartig.

Cooler Nebeneffekt: durch die pokestops lernen wir unser Jagdrevier besser kennen.

 

Leider ist Pokemon GO nicht immer ganze selbsterklärend und nimmt mich wenig an die Hand. Klar, das grundlegende Prinzip ist einfach, aber wie genau Kämpfe oder das Pokeradar funktionieren wird mir nie wirklich erklärt. Das ist schade, wird aber durch den enormen Drang das Spiel spielen zu wollen irgendwie ausgeglichen. Dann finde ich es halt selbst raus lautet hier das Motto.

Das Pokemon, um zu verstehen, was ihm diese Macht verleiht.

Pokemon GO ist weitaus noch nicht perfekt. Manchmal hakt die Steuerung etwas, ein Bug zwingt mich dazu die App neu zu starten und einige Features sind noch nicht ganz ausgereift und besonders hüpsch ist Pokemon GO schon gar nicht – und trotzdem ist Pokemon GO einfach total genial. Die Nostalgie, die mich überkommt wenn ich auf die Jagt gehe ich einfach großartig und lässt mich sofort zu meinem 10-jährigen ich werden. Der Suchtfaktor neue Pokemon und Pokestops zu entdecken ist dabei so hoch, dass er nur vom leeren Akku gestoppt werden kann. Das Beste ist, ich fühle mich noch nicht mal schlecht dabei. Nintendo schafft es, mich mit einer App auf die Straße zu locken und mich zu bewegen. TOP!

Bevor wie uns aber zu sehr in Lob verlieren, einer der großen Nachteile von Pokemon GO ist der hohe Datenverbrauch. In meinem drei stündigen Test kostete mich die App über 40 Megabyte meiner monatlichen zwei Gigabyte. Solltet ihr planen Pokemon GO häufiger zu spielen, haben wir einen Tipp für euch, wie ihr einen Datenverbrauch stark reduzieren könnt.

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Neue Pokemon finden und fangen – Sucht pur!

Pokemon GO wird eine große Menge an alten und jugen Spielern ansprechen und Weltweit einen Sammeltrieb auslösen. Für die Alten ist Pokemon GO eine Reise in die Vergangenheit verbunden mit dem großen Traum selber Pokemeister zu werden. Für die jüngeren macht Pokemon GO den Jugendtraum vom Pokemeister noch in der Kindheit wahr und bildet eine Erweiterung des Pokemonuniversums. Denn bis jetzt (und ich als Alter finde das besonders cool) gibt es nur die aller ersten 250 Pokemon im Spiel – jene, die die ganz jungen eventuell noch nicht kennen.

Cool wäre es noch, wenn ich spontan mit Menschen auf der Straße in Kämpfe eintreten könnte oder von wilden Pokemon angefallen werde (allerdings bitte nicht so häufig wie in den alten Gameboyspielen). Außerdem wäre es schön, wenn sich Entwickler Niantic doch dazu entscheidet auf rundenbasierte Kämpfe umzusteigen und die Zusammensetzung der Teams reguliert. Aber alles erst mal nice to have, ich bin jetzt weg – ein Pummelluf ist in der Nähe.

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